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Der Regionalplan 2020 ist in Arbeit

(Bruchköbel/Hessen/jgd) – Für den Regierungsbezirk Darmstadt, der den ganzen südhessischen Raum umfasst, hat nun das Frankfurter Planungsbüro Albert Speer und Partner den Auftrag zur Erstellung eines neuen Regionalen Entwicklungskonzeptes erhalten. Das ist ein wesentlicher Schritt, der auch Auswirkungen auf Bruchköbel und seine Nachbarkommunen haben wird. Denn  dabei geht es um die Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes ab 2020, im Bereich und Umland des Gravitationszentrums Frankfurt. Im Kern also um die Frage: Wie sollen die knapper (und teurer) werdenden Flächen im Großraum Rhein-Main genutzt werden, was darf in Zukunft wo überhaupt noch gebaut werden?

Schon 2007 hatte der Regionalverband Frankfurt-Rhein-Main mit seinem „Parlament“, der Versammlung der rund 75 Kommunen der Region, einen Flächennutzungsplan aufgestellt. Die Städte und Gemeinden waren damals zum ersten Mal darin übereingekommen, ihren Flächenverbrauch miteinander abzustimmen. Im Großen und Ganzen war es damals darum gegangen, die Region in geordneter Form und im Gleichschritt zu entwickeln.

In den folgenden Jahren nahm dann der Siedlungs- und Zuzugsdruck in die Rhein-Main-Region deutlich zu – die vielen Neubaugebiete, die neuen und gewachsenen Gewerbegebiete, überall entlang der Autobahnen sichtbar, zeugen davon. Auch Bruchköbel, Erlensee, Nidderau sind -je nach Betrachtungsweise- Nutzniesser und Profiteure dieser Entwicklung. Die Nachfrage ist ungebrochen, allerdings wurde auch der Baugrund überall sehr teuer. Und weiterhin geht es in den Kommunen jetzt um die Verdichtung vorhandener Bauflächen, die Ausweisung weiterer Gewerbegebiete.

Insofern wird es auch für Bruchköbel und seine Nachbarn wichtig, wie schon in den Jahren vor 2007, ihren Einfluss geltend zu machen, damit man auch beim für das Jahr 2020 geplanten neuen Flächennutzungsplan gut „wegkommt“. In Bruchköbel etwa sind in der Politik schon seit einiger Zeit Diskussionen über die Schaffung erschwinglichen Wohnraums im Gange. Ebenso war bereits thematisiert worden, ob sich das Gewerbegebiet Lohfeld nach Süden hin erweitern lässt. Der aktuell gültige Flächennutzungsplan setzt solchen Absichten bislang Grenzen.

Veränderte Schwerpunkte
Der Planungsverband will indes die Akzente für 2020 verschieben. Er will offensichtlich nicht mehr bloß als „Raumaufteiler“ fungieren, der den Kommunen die Ausweisung neuer Bauflächen erlaubt: „Mit der Neuaufstellung des Regionalen Flächennutzungsplanes 2020 haben wir die Chance, den Plan ganz neu zu denken. Deshalb werden wir diesmal das Planwerk mit Entwicklungskonzepten zu den uns heute bewegenden Herausforderungen unterlegen. Diese Themen sind: Siedlungsflächenentwicklung, Sicherung des Freiraums, Verkehr und Energie.“ Mit dieser Botschaft hatte der Beigeordnete des Regionalverbandes FrankfurtRheinMain, Thomas Horn, bereits Ende 2016 den Startschuss für das neue Planwerk gegeben. Auch müsse man die Politik und die Fachöffentlichkeit frühzeitig bei der Erstellung mit einbinden. Denn: „Die anstehenden Herausforderungen lassen sich nur gemeinsam meistern.“

Bessere Verkehrsanbindung ländlicher Kommunen

Ein Dauerthema sei natürlich die Wohnraumknappheit. Nach der jüngst veröffentlichten Wohnraumbedarfsprognose würden 184.000 Wohnungen im Zeitraum 2013 bis 2030 benötigt. Es sei allerdings fraglich, ob Frankfurt und andere Städte den Bedarf alleine durch eigene Bauflächenausweisungen oder Innenentwicklung überhaupt noch decken können. Der Baugrund werde knapp, der Bau- und Wohnungsmarkt überhitzt sich. Daher, so heisst es, sei die Flächensteuerung regional zu koordinieren. Neben der Lage – beispielsweise die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr – soll der neue 2020er Plan auch Grünflächen für Freizeit und Erholung sowie die Infrastrukturausstattung wie Kitas, Schulen, Ärzte und anderes mehr berücksichtigen und auch schützen.

Im Fokus steht jetzt offenbar die Entwicklung der Verkehrsanbindungen, und hier speziell des Schienennetzes. Auch der weiter außen gelegene ländliche Raum müsse in Zukunft besser über Schiene und Busse erreichbar werden. Denn die bestehenden Verkehrsarten stoßen bereits heute an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Hoffnung: Verbessert man diese Situation, dann werde sich auch der Zuzugsdruck in die Zentren mindern. Gelingt es nämlich, die äußeren ländlichen Gebiete besser an die Schienennetze anzubinden, wird es auch attraktiver, sich in diesen Kommunen anzusiedeln. Zukunftsbilder für eine verträgliche Mobilität der Menschen und Güter seien also für den neuen Flächenplan 2020 von grundlegender Bedeutung.