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Weiterer Entscheidungsbedarf zur Neuen Mitte

(Bruchköbel/jgd) – Mit ihrem Beschluss zur neuen Stadtmitte vom 13. März hatten die Stadtverordneten mehrheitlich für die Fortführung des Projektes gestimmt. Umfangreiche politische Auseinandersetzungen waren vorausgegangen. Die damalige Abstimmung war dann als entscheidend betrachtet worden. Denn sie beauftragte und ermächtigte den Magistrat dazu, die weiteren Maßnahmen zur Realisierung des Projektes anzugehen – zum Beispiel schon bald den Abriss des Rathausgebäudes durchzuführen. Inzwischen wurde das Gebäude bereits geräumt, und die Verwaltung zog in großen Teilen in ihre Zwischenunterkunft auf den Fliegerhorst um. 

Nun liegt bereits schon wieder eine weitere Vorlage zur Neuen Mitte auf dem Tisch, über welche die Stadtverordneten demnächst im zuständigen Ausschuss wieder beraten müssen. Hierbei geht es um die weitere Konkretisierung der gesamten Bauplanung. In dieser wurden nunmehr erste Änderungen vorgenommen. Grund: Im Rahmen der sogenannten ersten „Offenlage“ war das Projekt den Bürgern, Betroffenen und Behörden zur Einsicht vorgelegt worden. Diese gesetzlich vorgeschriebene öffentliche Auslegung der Planungen war in der Zeit vom 27.11.2017 bis zum 12.1.2018 erfolgt. Alle daraufhin eingegangenen Stellungnahmen aus der Öffentlichkeit und von den Trägern verschiedenster öffentlicher Belange liegen nun den Stadtverordneten schriftlich vor – ebenso wie die abwägenden Kommentare der für die Stadt arbeitenden Planer und des Bruchköbeler Bauamtes.

Erinnerung an ein altes Problem
Nun ist also wieder das Bruchköbeler Stadtparlament am Zug, die vorgebrachten Stellungnahmen zu prüfen und darüber zu entscheiden. Das Papier bietet dem Leser in weiten Teilen trockenen Stoff. Viele Auskünfte etwa von Seiten des Straßenbauamtes „Hessen Mobil“, der Deutschen Bundesbahn, der Telekom, der Energieversorger sind eher Pflichtübungen. „Hessen Mobil“ gibt zum Beispiel Hinweise zur Verkehrsgestaltung. Der Main-Kinzig-Kreis weist darauf hin, dass auf Regeln zum Lärmschutz und auf den Schutz vor anderen Immissionen, etwa Gerüche, zu achten ist.

Die Erörterung der Grundwassersituation (auch dies eine Pflichtübung bei derartigen Bauvorhaben)    ruft dabei ein altes Problem in Erinnerung, das in den 90ern schon einmal für Unruhe gesorgt hatte: Nämlich die Tatsache, dass für einen Bereich der westlichen Innenstadt wegen anhaltender Verunreinigung mit „leicht-flüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen“ immer noch ein Verbot der Nutzung des Grundwassers gilt. Als Ursache waren damals Einflüsse aus dem Bereich der alten Mülldeponie vermutet worden, welche bis in die 70er Jahre auf einem großen Areal nördlich des heutigen Gewerbegebietes „Galgengarten“ betrieben wurde. Diese Deponie wurde inzwischen saniert und abgedichtet, und inzwischen großflächig mit Sonnenkollektoren überbaut. Die Beeinträchtigung des Grundwassers besteht aber als „Altlast“ offenbar noch langfristig fort. Für das Vorhaben „Neue Mitte“ hat dies allerdings wenig Belang, denn es wird ja nicht beabsichtigt, Grundwasser zu nutzen.

Hochhaus: Sorgen der Eigentümer
Die umfangreichste Stellungnahme haben die Eigentümer des Hochhauses Innerer Ring eingereicht. Diese lassen sich durch eine Anwaltskanzlei vertreten, welche Zweifel an den bisher erfolgten Baugrunduntersuchungen äußert. Das Baugrundgutachten habe nämlich nicht die Auswirkungen der kommenden Baumaßnahme auf die Nachbargebäude untersucht. Gemeint ist hier besonders die Auswirkung auf das Hochhaus am Inneren Ring. Wird die große Baugrube für die Tiefgarage negative Auswirkungen auf die Bebauung des angrenzenden Gebietes haben, mit dem derzeitigen Einkaufsmarkt und dem Wohnhochhaus? Besonders die Auswirkung einer angeblichen Grundwasserabsenkung auf die Standfestigkeit des Hochhauses sei nicht geklärt. Die Planer der Stadt geben dazu in ihrer Stellungnahme allerdings Entwarnung: Die kommende Baugrube werde gegenüber der Umgebung praktisch wasserdicht abgeriegelt, bilde einen trocken gelegten „Trog“, in den nur wenig Wasser eindringen könne. Eine Grundwasserabsenkung werde demnach gar nicht vorgenommen. Negative Auswirkungen auf die Umgebung seien nicht zu befürchten. Im Lauf der Baumaßnahme werde der Grundwasserpegel ringsum dann auch regelmäßig kontrolliert.

Gleichwohl haben die Einwände der Hochhausgemeinschaft zu einigen Neuformulierungen in der Planungsbeschreibung geführt. Auf die geäußerten Bedenken der Anwohner wird nun in den Dokumenten eingegangen – wobei aber auch Verantwortung an die seinerzeitigen Planer des Hochhauses zurückgereicht wird. Man gehe nämlich auf der Seite der städtischen Planer davon aus, dass für das bestehende Wohnhochhaus damals, in den 70ern, ebenfalls ein Baugrundgutachten angefertigt wurde. Schon damals hätten vergleichbare Baugrundverhältnisse geherrscht, und es seien auch damals bereits Maßnahmen zur Baugrundverbesserung oder Verfahren des Spezialtiefbaus zur Befestigung des Gebäudes im Baugrund, wie z. B. eine „Pfahlgründung“, eingesetzt worden. Die Planer: „Ein unmittelbarer Zusammenhang“ zu dem neuen Projekt „ergibt sich daraus zunächst nicht, es sei denn, es gäbe für das Wohnhochhaus kein solches detailliertes Baugrundgutachten und/oder es wurde für dieses eine unsachgemäße Gründung ausgeführt“. - Die nächste Sitzung des Bausausschusses findet am 15. Mai im Bürgerhaus statt.