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(Bruchköbel/jgd) - Die Bruchköbeler Parteien, zumal die aus der Opposition, stecken in einem Dilemma: Einerseits ist ihnen noch nicht genügend politische Debatte um das Projekt Innenstadt gelaufen. Andererseits tragen sie selbst für diesen mangelhaften Zustand ein gehöriges Maß der Verantwortung. Denn vor drei Jahren waren es doch sie selbst, die mit ihrer alternativlosen, einstimmigen Befürwortung des Projektes weitere politische Debatten darum endgültig beendet haben. Damals, im September 2014, spendeten sie sich in ihren Parlamentsreden jede Menge Selbstlob: Nun endlich mache man den Weg frei, gehe es endlich voran, während der Bürgermeister „zu langsam“ gewesen sei.

Jene Alternative aber, die einzig das Attribut „politisch“ verdient hätte, nämlich den zuvor beabsichtigten Investorenwettbewerb nach den Beispielen Hanau und Nidderau, hatte man schon zwei Jahre zuvor in großer Einigkeit plattgemacht. Und den Ersten Stadtrat Ringel, der für diese echte politische Alternative gestanden hatte, gleich mit. Dafür nun die Flächennutzung und das Parken zu großartigen „politischen Fragen“ hoch zu stilisieren - das wirkt denn doch arg bemüht. In Wahrheit geht es da doch wohl eher um pragmatische Fragen, wie man sie sich eben in der Phase der Konkretisierung einer Bauplanung immer wieder stellen wird.

Und, Hand aufs Herz: Auch die Überraschung um die Kosten von 25,8 Millionen wirkt gespielt. Wahr ist: Schon aus den Machbarkeitsrechnungen des von den Parteien verworfenen Investorenprojektes konnte sich jeder, der wollte, die geschätzten Kosten für ähnliche Bauvolumen von bis zu über 30 Millionen Euro entnehmen – damals ohne Tiefgarage und ohne Bürgerhaus-Neubau, aber übrigens mit dem interessanten, sozialen Ansatz eines Mehrgenerationenhauses. Eine „politische“ Debatte, nämlich um Inhalte, hätte es also durchaus werden können. Aber diese Gelegenheit ist damals grandios verpasst worden. Inzwischen käme sie wohl zu spät.